Fuehrung beginnt innen – warum kein Training Vertrauen ersetzt
- Christiane Kleyna

- 7. Juni
- 3 Min. Lesezeit

Eine Frage, die mich innehalten ließ
„Christiane, würde mir ein Fuehrungskraeftetraining helfen, damit ich die Menschen wieder motiviere?"
Diese Frage stellte mir neulich eine Produktionsleiterin – erfahren, engagiert, seit Jahren in einer Führungsrolle. Ich habe kurz innegehalten. Nicht weil die Frage falsch war. Sondern weil die Situation, die sie mir dahinter beschrieben hat, eine andere Antwort brauchte als die, die sie wahrscheinlich erwartet hatte.
Ihr Team:
hoher Krankenstand,
kaum Motivation.
Keine Gehaltserhöhungen seit Jahren – stattdessen Kürzungen.
Mittlere Betriebszugehörigkeit von 19 Jahren. Mehrere Übernahmen, Schrumpfungen, Umstrukturierungen. Immer wieder neue Eigentümer mit Excel-Tabellen statt Empathie.
Und jetzt soll ein Führungskräftetraining die Motivation retten?
Meine ehrliche Antwort: Nein.
Warum Führungstraining an seine Grenzen stößt
Das sage ich nicht, weil Führungskräftetraining grundsätzlich wertlos wäre. Im Gegenteil – Führungskompetenz ist erlernbar, und gezielte Weiterbildung kann viel bewirken. Aber sie kann nur dort wirken, wo die Grundbedingungen stimmen.
Menschen, die jahrelang erlebt haben, dass ihre Loyalität, ihr Einsatz und ihre jahrzehntelange Erfahrung in Kennzahlen aufgehen – und nicht in Wertschätzung – ziehen sich innerlich zurück. Das ist keine Faulheit. Das ist keine schlechte Einstellung. Das ist eine völlig rationale Reaktion auf wiederholte Enttäuschung.
Was dabei entsteht, ist kein Motivationsproblem.
Es ist eine tiefe Erschütterung des Vertrauens.
Und Vertrauen lässt sich nicht trainieren. Es lässt sich nur – langsam, konsequent, ehrlich – wieder aufbauen.
Was Führungskräfte in solchen Systemen wirklich brauchen
Was diese Produktionsleiterin wirklich braucht, ist nicht ein weiteres Training. Sie braucht Klarheit – über drei entscheidende Fragen:
1. Was kann ich in dieser Situation überhaupt noch beeinflussen?
Nicht jede Führungskraft hat Einfluss auf Gehaltsentscheidungen, Unternehmensstrategien oder Eigentümerwechsel. Aber jede Führungskraft hat Einfluss auf den Ton, den sie setzt. Auf die Art, wie sie zuhört. Auf die kleinen täglichen Signale, die sagen: Ich sehe dich. Deine Arbeit zählt.
Das klingt nach wenig. Aber in Systemen, in denen Wertschätzung seit Jahren fehlt, kann genau das der Unterschied sein.
2. Wie führe ich Menschen, die das Vertrauen in das System verloren haben – ohne es selbst zu verlieren?
Das ist die härteste Aufgabe. Führen in einem System, dem man selbst nicht vollständig vertraut. Weitermachen, obwohl der Spielraum eng ist. Authentisch bleiben, obwohl man selbst frustriert ist.
Wer hier nicht aufpasst, brennt aus. Oder verliert die eigene Haltung – und damit die letzte Ressource, die dem Team noch bleibt.
3. Wo liegen meine eigenen Grenzen – und wie schütze ich meine Energie?
Selbstführung ist kein Luxus. Sie ist die Voraussetzung für alles andere. Wer sich selbst nicht führen kann, kann keine anderen führen – zumindest nicht nachhaltig.
Führungskräfte in schwierigen Systemen neigen dazu, alles zu geben. Täglich. Ohne zu merken, wann die eigene Grenze überschritten wird. Das ist keine Schwäche. Das ist menschlich. Aber es braucht Bewusstsein – und manchmal auch professionelle Begleitung, um es zu erkennen.
Führung beginnt immer zuerst innen
Viktor Frankl, dessen Denken mich seit Jahren begleitet, hat formuliert: Zwischen Reiz und Reaktion liegt ein Raum. In diesem Raum liegt unsere Freiheit – und unsere Fähigkeit zu wachsen.
Dieser Raum ist das Herzstück von Selbstführung.
Nicht die perfekte Reaktion. Nicht das souveräne Auftreten in jeder Situation. Sondern die Fähigkeit, innezuhalten. Zu entscheiden. Zu wählen, wo die eigene Kraft hingeht – statt sie reaktiv zu verbrauchen.
Führung, die von außen gesteuert wird – durch Druck, Erwartungen, Systemzwänge – ist erschöpfend.
Führung, die von innen kommt – aus Klarheit, Werten und Selbstwirksamkeit – ist nachhaltig.
Das gilt für Führungskräfte mit großer Personalverantwortung genauso wie für Frauen, die sich gerade fragen, ob Führung überhaupt etwas für sie ist. Denn Führung beginnt nicht mit einem Titel. Sie beginnt damit, wie du dich selbst führst – in schwierigen Gesprächen, unter Druck, in Momenten, in denen niemand zuschaut.
Was das für deine Praxis bedeutet
Wenn du dich in dieser Beschreibung wiedererkennst – als Führungskraft in einem System mit wenig Spielraum, als Frau, die mehr gibt als sie zurückbekommt, als Mensch, der spürt, dass da noch etwas unentdeckt ist –, dann ist das kein Zeichen von Schwäche.
Es ist der Ausgangspunkt.
Denn genau dort beginnt meine Arbeit: nicht mit einem Trainingsprogramm, das dir sagt, was du tun sollst. Sondern mit einer ehrlichen Standortbestimmung, was du brauchst, was du kannst, und wohin du wirklich willst.
Bereit für den nächsten Schritt?
Im 1:1 Business Coaching bei empower2act begleite ich dich individuell, tiefgehend und auf Augenhöhe. Mit DNLA-Profiling gewinnen wir ein klares Bild deiner Potenziale und Entwicklungsfelder – und erarbeiten gemeinsam, wie du Führung lebst, die zu dir passt. Nicht zum Lehrbuch.
Für Führungskräfte, die mehr wollen als Durchhalten.
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FEEL EMPOWERED, Deine Christiane von empower2act!




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